Es ist ein Abend in der Vorweihnachtszeit, oder wie nennt sich heutzutage die Zeit zwischen schwarzem Freitag und nahendem Ausverkauf? Ich sitze mit heisser Schokolade und einem steifen Grog in meinem grossväterlichen Ohrensessel nahe dem heissen Ofenrohr, die Flammen lodern wild und anmutig im Kamin. Draussen ist es klirrend kalt und auf Radio Bern eins spielt WHAM ihren ewigen Hit welcher von letzter Weihnacht handelt. Ich hoffe insgeheim auf ein Päckli, das sich zu meinen Gunsten unter mein kleines und lieblich geschmücktes Bäumchen verirrt.

Mit meinem Team musste ich die alljährlich (un)beliebte Runde kurz vor Weihnachten im nahen Sierre bestreiten. Mit dem Zug zwar super erreichbar, doch unter uns gesagt, ich hätte lieber darauf verzichtet und mir einen weiteren steifen Grog gegönnt… Wie alle anderen Teams unserer Gruppe wären wir mit einem Forfait-Sieg gegen «SIE und ER» glücklich gewesen. Doch nein, das Christkind beschenkte uns mit einem Spiel zum vergessen. «SIE» waren wirklich nicht gut, und «ER» hatte seinen ersten Einsatz an der Pfeife. Den Schiedsrichter für unsere Niederlage in die Verantwortung zu ziehen, das wäre nicht ganz korrekt, wir haben es selber in den Füssen und Stöcken gehabt. Einige Hörnlisalate später, bereiten wir uns auf das zweite Spiel vor. Wir wollten keine Geschenke machen und wir haben alles versucht, die Punkte zu ergattern. Haben umgestellt, gewechselt und mittels Time-Out versucht am Resultat zu schrauben. Goalie raus, Goalie rein, nichts hat genützt, wir mussten Federn lassen und stehen nun in der Pflicht, die restlichen Spiele der Saison zu gewinnen, falls wir in der Rangliste noch nach Oben klettern wollen.

Es ist der Weihnachtstag, mein kleines, liebliches Bäumchen und ich strahlen um die Wette. Die Kugeln glänzen zart im Kerzenschein, ich sitze in meinem Ohrensessel und höre auf Radio Bern eins dem Klang der stillen Nacht. Tatsächlich habe ich unter meinem Bäumchen ein Päckli gefunden. Ein schönes Päckli, eines das mit Liebe eingepackt wurde. Goldenes Papier umhüllt den Inhalt und silbernes Band umrundet es. Die üppige Masche mit Karte daran, prangt obenauf. Auf der Karte steht: «Ich bin das Päckli welches niemandem gehört»? Ich traue mich nicht es zu öffnen, habe es fein säuberlich auf den Sims des Kamins gestellt, schaue es jeden Tag an und überlege, was ich mit dem «vergessenen Päckli» tun soll.

Ich denke nochmals zurück an unseren Ausflug ins Wallis und den zwei verlorenen Spielen. Wir wären qualitativ und spielerisch ein gut aufgestelltes Team, durchaus in der Lage, mit BeO an der Spitze mitzuspielen. Doch dazu benötigen wir nicht nur gute Torhüterleistungen, sondern jeden unserer Spieler. Mit unserem schmalen Kader ist es schwierig in beiden Spielen eine TOP-Leistung abzurufen. Wir können im neuen Jahr auf einen zusätzlichen Spieler zurückgreifen und über diesen Transfer bin ich doppelt froh, denn damit lässt sich die Leistung auf mehrere Schultern verteilen und spielerisch bringt uns Julius einiges. Nebst meinem nassen Turnschuh, einigen bösen Worten an die Pfütze in welche ich gerade getreten bin und einem spannenden Kuchengebäck welches wir erhalten haben, sind dies die Eindrücke, die ich aus Sierre zurück durchs Tunnel mitgenommen habe. Dank meinen sammelwütigen Spielern, die jedem herrenlosen und einsamen Ball einen Platz in unserem Ballsack angeboten haben, kann sich unser Ballsack auch endlich Ballsack nennen. In diesem Bereich konnten wir immerhin einen Erfolg verbuchen.

Für das neue Jahr habe ich mir als Coach zwei Dinge vorgenommen. Erstens werde ich die «Überzügli» meinen Teams solange nicht waschen, bis wir in der MS wieder zu Punkten kommen und zweitens werde ich meine Berichte kürzer halten. Punkt (sn).