Es geht wieder los, die Meisterschaft steht vor der Türe, die Trainings vom heissen und viel zu feuchten Sommer im Grossraum Bern, die, die sind
Geschichte. Sprints und Rumpfbeugen haben wir teils gemacht und manchmal auch weggelassen. Wir sind «gegumpt» und haben anderen beim «gumpen» zugesehen, wir sind gerannt oder haben dem Ball nachgesehen und wenn dieser dann gerade so praktisch vor die Füsse gerollt kam, auch getroffen. Das Team hat gelitten, gekeucht und sich mit letzter Kraft die Schuhe geschnürt. In den unbeliebten und ach, sooo langen Ferien, lag das eine oder andere Gelati mit Sicherheit drin und beim Relaxen im Whirlpool des Hotels, konnte zusammen mit der jeweiligen Ferienbekanntschaft aus dem Süden Europas, die heissen Kurven besprochen und die letzten Reserven an Energie angezapft werden.

Treppen- und Waldläufe haben wir grosszügig anderen überlassen und so kommt es wie es kommen muss, irgendwie sollte es doch zu schaffen sein, diesen doofen, blöden, weissen Ball mit den viel zu vielen Löchern, so zu treffen, dass mein Teamkamerad diesen fast youtube-mässig in den Maschen des Tores verschwinden lassen kann. Schliesslich haben wir dieses eine Tor mit vereinten Kräften und unter grosser Anstrengung aus dem Geräteraum gezogen, geschoben und gezerrt. Wir wagen uns nun, diesen Schlendrian aus den Knochen zu kriegen, denn in einigen Wochen startet dieses Team in die neue Saison und möchte sicher eine oder eher zwei, bestimmt aber 3 gute Figuren abgeben ?! Soll, darf oder kann der Match in Seftigen schon kommen ? Sind wir froh, findet das Spiel nicht schon bereits um 10 Uhr morgens statt, so dürfen die Spieler noch etwas liegen bleiben und den Sonntagmorgen geniessen. Kafi, Gipfeli und ein frisches, sanftes, warmes Rührei mit wenig Salz und einer Prise Basilikum auf einem netten Tablett aus dem Süden Europas, wird zeitig ans Bett geliefert, wo ohne grossem Kraftaufwand mit einem Dreh
drauflosgeschlabbert werden kann.

Nur der Trainer, der Arme steht schon früher auf der Matte in Seftigen, gilt es doch, die gegnerischen Teams zu analysieren und deren Qualitäten anzuschauen, denn er hat keine bis wenig Ahnung, was das Team da erwarten wird. Unihockey im Welschland ? Ännen am Röschtigraben schmeckt die Zwiebelsuppe definitiv anders. Ich halte mich vehement mit beiden Händen an meinem wackeligen Trainerstuhl fest und harre der Dinge die da geschehen werden. Wäre ja viel lieber mit massivem, massigem Massagesessel ans Spielerbänkli gereist, hätte die Lehne sanft nach hinten abgekippt, die Füsse hochgelagert, im Sparmodus das Spiel der Jungs reingezogen und mir gleichzeitig die Wäsche auf dem Waschbrettbauch kneten lassen. Bedauerlicherweise lag eine solche Anschaffung ausserhalb des Budgets. Nachdem am 2. September das Transferfenster geschlossen und der Mercato keine Restposten mehr zu bieten hat, steht der Kader fest, welcher zurzeit in der Halle brav seine Übungen abspult.
Ich finde es toll, dass diese jungen Erwachsenen zwischen den einzelnen Übungen extrem viel Spass zusammen haben können, sie schwatzen, erzählen von der neuen Schülerin im Bank hinter ihnen, eine aus „Le Welsch“. Hhmm … wie schön ist es, dass wir uns nicht dem schnöden Trainings-Alltag widmen brauchen, denn es reicht ja auch so. Ein schönes kommen und gehen der Spieler war es im Sommer, regelmässig alle im Training anwesend, nur einfach zu unterschiedlichen Zeiten.

Was solls, Draussen surren die Fliegen, zwitschern die Vögel, im nahen Wald röhrt ein Hirsch, viele bunte Schmetterlinge wuseln nur so umher, die Sonne verschwindet langsam am Horizont im Meer, ein tosendes Gewitter naht von Osten, es grummelt, zischt und blitzt – wollte mal schauen, wer noch mitlesen tut…

Zurück zum Ernst der Lage:
Eine luxuriöse Torwartsituation haben wir, beide Helden haben sich gut entwickelt oder konnten zumindest ihre Leistung konservieren. Verteidigung und Aufbau steht auch, manchmal noch etwas zaghaft und wacklig, doch das wird sich legen. Viel Erfahrung und manchmal ein Kopfschütteln bietet unser Angriff. Da haben wir vieles noch nicht gesehen. Ich nenne dies, unser „Messi-Potential“. Da verbirgt sich noch die eine oder andere Überraschung und das Vorbereitungsspiel hat gezeigt, dass wir zwar ein bisschen bereit sind, doch Bern Ost (noch) kein Gegner für uns gewesen sein kann.

Mit grossem Interesse warten wir auf die Herausforderung von kommendem Montag und dem Spiel gegen die SSVN – die Sportvereinigung Niederwangen kommt zu uns zu Besuch. Die Halle wird rappelvoll sein, die Bänke werden sich biegen, die Erwartungshaltung riesig sein, der Kartenverkauf läuft noch etwas schleppend, doch sobald die Lichter an sind, die Kameras laufen, die Wetten platziert und die Experten schweigen, dann, ja dann, dann wird pünktlich zum Spiel an- und von den Rängen heruntergepfiffen. So schön und furchtlos kann unser Sport sein und ich werde die Möglichkeit nutzen, dass mein Team die nötige Physis und etwas an Härte zuzulegen im Stande ist, denn nicht alle Teams in unserer Gruppe haben sooo hart, zäh und (wider)willig trainiert wie wir, die Junioren A von Floorball Köniz.